Salon 241

Fair trade, fair debate.

Marie-Sophie Keller, Maren Leifker und Michael Eule – Binding Treaty

Was für ein Abend! Ich erwäge, den politischen Salons jeweils einen kleinen Trainingskurs zum Thema „Gutes Benehmen in Debatten“ voranzuschicken. Wir Deutschen sind ja als Freunde des Kritizismus und der Grundsatzdebatte bekannt…erstaunlich, wie schnell die Hilflosigkeit, dass die großen Würfe und super Lösungen nicht zu haben sind , in Angriffe und Ansprüchlichkeiten gegenüber genau den Falschen umschlägt (gegen diejenigen, die sich um diese Lösungen bemühen). Und wie stark der Reflex ist, zu kritisieren, was man noch nicht mal richtig verstanden hat, anstelle freundlich nachzufragen. Und wie schwieriges es ist, eigene Zweifel konstruktiv anzumelden… Ich bin ja leider auch so, ich habe mir mein Recht aufs Rechtbehalten bis über den Tod hinaus sogar (als therapeutische Hilfe) zertifizieren lassen, denn eine zertifizierte Macke kann man nicht behalten, sagte mir der Zertifikatsaussteller. Meiner Familie habe ich das natürlich verschwiegen ;-). Dass ich zunehmend am Sinn von Zertifizierung zweifle, hat möglicherweise damit zu tun, dass ich wider Erwarten meine Macke noch habe. Aber nicht nur!

Referenten zu politischen Themen reagieren auf unqualifizierte Beiträge dieses Kalibers unterschiedlich robust. Darum ist ihnen doppelt und dreifach zu danken, dass sie sich überhaupt solchen Situationen aussetzen. Marie, Maren und Michael sind Juristen – sie wissen genau, wovon sie reden, wenn es darum geht, Rechte in geltendes Recht zu verwandeln. Und wie schwierig und komplex der Versuch ist, auf dieser Ebene Lösungen – und das auch noch international - zu erschaffen. Der Vertrag „Binding Treaty“ , der sehr breit und mit Beteiligung vieler Länder diskutiert wurde , bringt hoffentlich endlich Bewegung in die Bude: Selbst wenn niemand realistisch erwarten kann, dass die Umsetzung auch nur im Ansatz so gut sein wird wie die Idee, so ist er doch ein Durchbruch. Denn es gibt damit erstmals eine rechtliche Basis, diejenigen, die Menschenrechte mit Füßen treten und ökologische Katastrophen auslösen, in die Haftung zu bringen. Wer was lernen wollte, ist deshalb beim Salon voll auf seine Kosten gekommen Die Diskussion hat lange gedauert und sich mindestens bei mir zuhause heute noch fortgesetzt. Und bei mir (mal wieder) ausgelöst, darüber nachzudenken, was ich eigentlich beitrage.

Bridgets Beitrag zum Thema besteht darin, dass sie mit Kindern von Geflüchteten in Neukölln Musik macht. Darüber haben wir uns beim Salon über Syrien kennengelernt. Sie macht aber auch Musik mit Amanda, einfach aus Spaß. Eigentlich sollte dieser Salon letztes Jahr an Amandas Geburtstag sein.Nachfeiern ist ok!