Salon 272

Würfe, Würfel, Würfeln

Bernhard Hanke, Mathis Mayr und Niklas Seidl – Abstraktion und Emotion in Iannis Xenakis „Nomos Alpha“

Im Copyshop gings schon los: Der Grieche, der das Programm ausgedruckt hat, freute sich enorm über den Titel – „Regel 1“. Da schwante es mir bereits – Bernhard Hanke hat uns dann endgültig aufgeklärt.Xenakis ging es nicht ums Würfeln, sondern um den Würfel. Denn der Zufall interessierte ihn für seine Klang-Würfe weder mathematisch noch kompositorisch, er hat im Gegenteil überhaupt nichts dem Zufall überlassen. Der Kubus kam also nicht wegen der Punkte drauf ins Spiel, sondern seiner Form wegen – wohl vom Kubismus und Corbusier inspiriert. Man kann ihn 24 mal drehen, diese Drehungen kann man als Zahlenfolgen beschreiben und unterschiedlich kombinieren, z.B. mit Serienprinzipien wie einer Fibonaccireihe, und mit Vorgaben über Zeiteinheiten, Intensität, Dichte etc. … und das bisschen Rest an Gestaltungsfreiheit dem Musiker überlassen. Der sich, in Gestalt von Mathis Mayr, unglaublich ins Zeug gelegt hat, um der formstrengen Musik Persönliches abzuringen. Das Ganze war so anregend, dass es eine sehr lebendige Diskussion über das Erleben der Zuhörer gab: Kann das nicht auch ein Computer? Lohnt der ganze Aufwand für das was herauskommt? Ist es Chaos oder gar Krach? Sind Ordnungsmuster bei so vielen Parametern noch erkennbar? Ist es „schön“? Muss es „schön“ sein? Interessant fanden wir es allemal – und anders als Architekten muten Komponisten und Maler sich ja zum Glück nur dem interessierten Publikum zu…Von den tollen Zugaben hat uns besonders „Amitié“ von Sarhan überrascht - ein irres Sprach-Cello-Duett hat Niklas Seidl mit seinem Cello veranstaltet- so etwas habe ich wirklich noch nie gehört! Ein toller Abend, auch am Küchentisch danach!

Den Küchentisch kennt Avigail noch von ihrer Zeit in der KMS 162… bevor sie im Konzerthaus Ernst begegnet ist….und zum Glück ist sie nicht verschwunden!