Salon 248

Faulheit macht frei!

Dr. Hans-Albert Wulf – „Faul: Der lange Marsch in die kapitalistische Arbeitsgesellschaft

Oder wie war das nochmal? Der „lange Marsch in die kapitalistische Arbeitsgesellschaft“, begleitet von religiöser Verteufelung des Nichtstuns und Heilsversprechen für die Fleißigen hat uns abgerichtet zu disziplinierten Arbeitsbienen. Die nicht mithalten können, werden kurzerhand als Taugenichtse hingestellt, denen man das Leben so schwer machen müsse, dass sie aus purer Not wieder fleißig werden. Oder in die Hölle kommen. Mit seinem feinen Humor hat Hans-Albert Wulf jedenfalls erreicht, dass ich offen und freimütig hier zugeben kann: Ich daddele! Ich lege sinnlose Patiencen, und das manchmal sogar bevor das Tagwerk getan ist! Bei Spider habe ich schon Spielniveau 100 erreicht – vielleicht der Drang nach Punkten und Selbstwirksamkeit doch eine anthropologische Konstante? In meinem ersten Job habe ich in Rekordgeschwindigkeit Zahlenkolonnen verglichen, quasi im ständigen Wettbewerb mit mir selbst, weil ich sonst vor Langeweile gestorben wäre. An irgend etwas in uns scheint der Kapitalismus jedenfalls anzuknüpfen, als wäre er die der menschlichen Psyche angepassteste Gesellschaftsformation, Henne und Ei, zwei Seiten einer Medaille? Die letzten Mohikaner haben in der Küche das Thema bis spät in die Nacht hinein erwogen und dabei dem Alkohol gefrönt.

Wer weiterlesen will: Hans-Albert Wulf (2016): Faul: Der lange Marsch in die kapitalistische Arbeitsgesellschaft, BoD

Fast wäre ich heut morgen zu faul gewesen, aber jeder Salon hat eine ordentliche Einladung verdient. Auch wenn er schon morgen ist!